Goldpreis vor wichtiger Weichenstellung

Goldpreis vor wichtiger Weichenstellung

Jan 22, 2020

Trotz der akuten Virusgefahr aus China pendelt der Goldpreis weiter in einer Handelsspanne zwischen 1.546 Dollar und 1.568 Dollar und präsentiert sich damit unentschlossen. Unterstützung erhält das gelbe Metall von der Furcht vor einer neuen Pandemie aufgrund des höchst gefährlichen chinesischen Coronavirus, der das Weltwirtschaftswachstum kurzzeitig beeinflussen könnte, und der Meldung, dass die chinesische Goldproduktion im vergangenen Jahr spürbar gesunken ist. Negativ auf den Goldpreis wirken sich indes ein stärkerer US-Dollar sowie der Rückgang des chinesischen Goldkonsums aus, aber auch das gute Krisenmanagement Pekings im Umgang mit dem neuartigen Virus hebt die Stimmung und belastet die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold.

Der Februar-Terminkontrakt des Goldpreises verbilligte sich am Mittwoch um 0,15 US-Dollar oder 0,01 Prozent auf 1.557,75 US-Dollar. Das bisherige Tageshoch liegt bei 1.558,95 US-Dollar, Das Tagestief bei 1.550,05 US-Dollar.

Für den Gold-Kassapreis ging es um 0,36 US-Dollar oder 0,03 Prozent nach oben auf 1.558,17 US-Dollar.

Coronavirus löst Flucht in Sicherheit aus

Die Angst vor einer neuen Pandemie hat die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie Gold zunächst etwas erhöht. Auch US-Treasuries waren gefragt. Entsprechend ging die Rendite zurück.

Wie die chinesischen Behörden am Mittwoch mitteilten, ist die Zahl der Fälle des Coronavirus in China auf 440 gestiegen. Insgesamt seien nun neun Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. Gestern wurde das Virus auch in den Vereinigten Staaten von Amerika nachgewiesen.

Zur Freude der Anleger kündigte Peking aber bereits landesweite Viren-Screenings an, um eine Ausbreitung zu verhindern. "Die Anleger zeigen sich mit dem Krisenmanagement der chinesischen Regierung zufrieden und die Furcht vor einer massiven Ausbreitung des Virus hat nachgelassen", erklärte AxiTrader-Marktanalyst Milan Cutkovic. Allerdings bleibe der Coronavirus in China "ein relevantes Thema auf dem Börsenparkett", fügte er hinzu.

Der Coronavirus befindet sich zwar noch im Anfangsstadium, aber die Lungenkrankheit erinnert an die SARS-Epidemie aus dem Jahr 2002, die mehr als 8.000 Menschen in 37 Ländern infizierte und rund 800 Tote forderte. Eine akademische Studie aus dem Jahr 2003 schätzte die weltweiten wirtschaftlichen Kosten dieses Virus auf fast 40 Milliarden Dollar.

Chinesischer Goldkonsum geht stark zurück

Unterstützung erhielt der Goldpreis zunächst von der Meldung am Dienstag, wonach die chinesische Goldproduktion im Jahr 2019 um 5,2 Prozent auf 380,2 Tonnen gesunken ist.

Zugleich ging aber der chinesische Goldkonsum im Jahr 2019 um knapp 13 Prozent auf 1002,7 Tonnen zurück.

Zudem steigerte der Gold-Minenbetreiber Highland Gold seinen Goldausstoß im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 300.700 Feinunzen. Für 2020 rechnet das Unternehmen mit einer Goldproduktion von 290.000 bis 300.000 Feinunzen.

Fester US-Dollar belastet Gold

Der US-Dollar legte am Mittwoch moderat zu. Für den US-Dollar-Index (DXY), der den Greenback gegen sechs andere Währungen vergleicht, ging es um 0,07 Prozent nach oben.

Steigt der Dollar, sinkt in der Regel der Goldpreis.

Gute US-Konjunkturdaten in Form der Einzelhandelsumsätze, der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie der Philly-Fed-Index letzte Woche haben dem US-Dollar neues Leben eingehaucht. Mit 97,48 stieg der DXY zum Wochenauftakt auf das höchste Niveau seit dem 12. Dezember.

Für neue Kursimpulse könnte am nächsten Mittwoch die Sitzung der US-Notenbank Fed sorgen. Marktteilnehmer erwarten zwar keine Änderung der Zinsen, aber sie erhoffen sich aus dem geldpolitischen Begleittext neue Hinweise auf die zukünftige Geldpolitik.

Letztes Jahr hatte die Federal Reserve ihren Leitzins dreimal gesenkt auf eine Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent. Zudem startete sie den Kauf von kurzlaufenden Staatsanleihen, den Experten als einer der Hauptgründe für die Börsenrallye ansehen.

Der Dot Plot der Notenbanker signalisiert für dieses Jahr eine Zinspause. Die marktbasierten Erwartungen gehen zurzeit von einer Zinssenkung mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 35 Prozent erst nach der Dezember-Sitzung in diesem Jahr aus.

Charttechnik angeschlagen

Die charttechnische Ausgangslage bleibt laut Analyst Robert Zach weiter negativ: "Gestern hat der Goldpreis einen Long Legged Doji im Chart hinterlassen. Zugleich sprang das Volumen an. Insgesamt 528.539 Kontrakte wechselten den Besitzer. Gold steht damit unmittelbar vor einer wichtigen Weichenstellung".

"Auf der Grundlage des Open Interest, dem Anfang Januar beobachteten Volumen-Anstieg, der weiterhin hohen Longposition der Spekulanten und den negativen Divergenzen in den technischen Indikatoren, gehe ich weiterhin von einer vier- bis sechswöchigen Korrektur nach unten aus, die den Goldpreis auf 1.536/33 und dann 1.522 US-Dollar befördern könnte", sagte er.

Einzig ein rascher Wiederanstieg über das gestrige Tageshoch bei 1.568 US-Dollar könnte das fragile Chartbild wieder verbessern, glaubt Robert Zach. Danach bestünde Aufwärtspotenzial auf den Schlüsselwiderstand bei 1.585 US-Dollar, der als Übergangspunkt auf das Mehrjahreshoch bei 1.611,52 US-Dollar gilt.

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