Von Barani Krishnan
Für die Öl-Bären kommt heute alles zusammen: der Risikofaktor "Coronavirus", die schwächere Ölnachfrage und der atemraubende Berg an US-Kraftstofflagerbestände.
Die Rohölpreise rutschten am Mittwoch um 2% nach unten ab. Auslöser dafür war die in Paris ansässige Internationale Energieagentur IEA, die ein wachsendes Überangebot an Öl auf dem Weltmarkt prognostizierte. Hinzu kommen die potenziellen negativen Auswirkungen des neuartigen Coronavirus, bekannt als 2019-nCoV.
Von befragte Ölmarktbeobachter rechnen zudem damit, dass die Energy Information Administration (EIA) in ihrem wöchentlichen Lagerbestandsbericht einen moderaten Aufbau der Reserven an Benzin und Destillaten bekannt geben wird.
Der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate, fiel bis 19:28 Uhr um 1,37 Dollar oder 2,4% auf 57,01 Dollar pro Barrel. WTI hat sich seit Jahresbeginn um fast 7% verbilligt.
Für ein Fass der Nordseesorte Brent ging es um 1,17 Dollar oder 1,8% auf 63,42 Dollar nach unten. Brent ist seit Jahresanfang um 4% gesunken.
"Der Ausbruch des Virus in China kam aus dem Nichts und überraschte alle, er birgt ein bärisches Risiko für die Nachfrage", sagte Olivier Jakob von der Schweizer Öl-Risikoberatung PetroMatrix. "Wir befinden uns in einem Umfeld, in dem die Angst vor der Ölnachfrage im Zusammenhang mit dem Coronavirus die Furcht vor der Produktion Libyens dominiert."
Die US-Großbank Goldman Sachs (NYSE:GS) schrieb in einer aktuellen Studie, dass sich der Ölpreis durch das neue Coronavirus, das nun auch in den USA angekommen ist, um 3 Dollar verbilligen könnte.
Goldmans Analyse der Auswirkungen des 2019-nCoV - die Abkürzung für das Virus - basiert auf seiner Untersuchung der Folgen für den Rohölpreis durch die SARS-Epidemie, die in Asien begann und den Rest der Welt im Jahr 2003 erschütterte..
"Solch ein Effekt auf die Nachfrage (ohne eine Reaktion der OPEC) würde einen Abschlag von lediglich 3 USD das Fass auf die Ölpreise andeuten, obwohl die am Anfang hohe Unsicherheit zu einem größeren Ausverkauf führen könnte, wie dies im März 2003 der Fall war", so die Rohstoffexperten.
Zu dem potenziellen zusätzlichen Angebot, das auf den Markt kommt, sagte Fatih Birol, der Leiter der in Paris ansässigen IEA, dass er für die erste Hälfte des Jahres 2020 einen Überschuss von 1 Million Barrel pro Tag erwartet.
Die von hauseigenen Daten zeigen, dass der Ölpreis im Jahr 2003, als die SARS-Epidemie ausbrach, den Preis WTI um bis zu 6 Dollar nach unten beförderte.
Die in Washington ansässige EIA wird am Donnerstagnachmittag den wöchentlichen Bericht zu den Rohöllagerbeständen in den USA präsentieren. Erwartet wird ein Rückgang der Ölreserven um 1 Millionen Barrel. In der Vorwoche wies der Bericht einen Rückgang von 2,5 Millionen Barrel aus.
Die Benzinvorräte, die zuletzt um 3,1 Millionen Barrel gestiegen waren, dürften den Analysten zufolge um 6,7 Millionen Barrel zulegen.
Bei den Destillatbeständen erwarten die Händler einen Aufbau von 900.000 Barrel, nach 8,2 Millionen Barrel in der letzten Woche.
Vor dem EIA-Bericht wird das American Petroleum Institute am Mittwochabend seine Zahlen herausgeben. Die Zahlen gelten als Vorlaufindikator für den offiziellen Lagerbestandsbericht.

