Der Ölpreis baut seine Erholungsgewinne am Nachmittag vor den wichtigen EIA-Rohöllagerdaten kräftig aus. Grund dafür war die Meldung, wonach das US-Biotech-Unternehmen Gilead Sciences (NASDAQ:GILD) schon bald weitere Daten der Phase-3-Studie für den COVID-19-Wirkstoff Remdesivir vorlegen will.
"Wir gehen davon aus, dass die Studie ihren primären Endpunkt erreicht hat und dass das NIAID detaillierte Informationen dazu in einem Briefing bekannt geben wird", teilte Gilead mit.
Eine vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases' (NIAID) durchgeführte Studie habe "positive Daten" bezüglich der Auswirkungen des Gilead-Wirkstoffs Remdesivir auf COVID-19-Patienten gezeigt, wie das Pharmaunternehmen weiter mitteilte.
Die Hoffnung auf ein baldiges Heilmittel gegen die Coronavirus-Krankheit ließ die Ölpreise in die Höhe schnellen, denn je schneller Covid-19 erfolgreich eingedämmt werden kann, desto schneller könnten die Volkswirtschaften wieder hochfahren und dementsprechend würde auch die Ölnachfrage wieder anziehen. Der russische Energieminister Alexander Novak sagte zudem am Mittwoch, dass der Rückgang der weltweiten Ölnachfrage dem Höhepunkt nahe sei. Bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin und den Chefs der hiesigen Ölproduzenten schätzte Novak, dass die Nachfrage um "25 bis 30 Millionen Barrel pro Tag im Vergleich zum Vorjahresniveau" gesunken sei.
Dass die Wirtschaft in den USA zu Jahresbeginn um 4,8 Prozent geschrumpft ist, war zweitrangig. Schließlich sind Märkte echte Diskontiermonster.
Das an der ICE gehandelte Barrel der Sorte Brent-Öl zur Juni-Lieferung steigt um 7,61 Prozent auf 24,42 Dollar. Für das an der Warenterminbörse NYMEX in New York gehandelte Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI-Öl) mit einer Laufzeit bis Juni geht es um 26,34 Prozent nach oben auf 15,59 Dollar.
Nichtsdestotrotz bleibt die Sorge der Investoren bestehen, dass in zwei bis drei Wochen die Lager am wichtigen Umschlagplatz in Cushing voll sein würden. Die EIA hatte letzte Woche in einem separaten Artikel behauptet, dass die Speicher in Cushing ein Fassungsvermögen von 76 Millionen Barrel hätten. In ihrem wöchentlichen Mineralölbericht letzte Woche wies die Energieagentur einen Anstieg der Bestände in Cushing um gut 5 Millionen Barrel auf knapp 60 Millionen Barrel aus. Demnach wäre die Kapazität zu 79 Prozent ausgeschöpft.
Nach Angaben des Beratungsunternehmens Kpler waren zum Stand der letzten Woche weltweit die Ölspeicher an Land zu 85 Prozent ausgelastet.
Ein Zeichen für die Verzweiflung in der Energiewirtschaft ist die Suche nach Orten, an denen Erdöl gelagert werden kann. Dazu greifen Ölhändler mittlerweile auf teure US-Schiffe zurück, um Benzin oder Schiffstreibstoff in Übersee zu bunkern.
Im Fokus steht heute der offizielle Bericht der US-Energiebehörde EIA zu den Rohöllagerbeständen in den USA. Von befragte Analysten erwarten einen Anstieg um etwas mehr als 10 Millionen Barrel. Interessant werden aber vor allem die Zahlen zur Ölproduktion und zu den Cushing-Beständen sein. Das API schätzte gestern den Anstieg der Ölreserven an dem wichtigen Umschlagplatz auf 2,486 Millionen Barrel.
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