Von Barani Krishnan
Der US-Ölpreis ist am Mittwoch um 25% gestiegen. Die extreme Volatilität bleibt dem Ölmarkt damit erhalten. Hauptursache für den Preisanstieg waren ermutigende Testergebnisse eines möglichen Medikamentes zur Behandlung von Coronavirus-Patienten.
Die Rohöllagerbestände in den USA, die weniger stark stiegen als erwartet, waren der zweite Grund für anziehende Notierungen bei Öl.
Das an der ICE gehandelte Barrel der Sorte Brent-Öl, zur Juni-Lieferung, steigt bis 19:45 Uhr um 6,8 Prozent auf 24,28 Dollar. Für das an der Warenterminbörse NYMEX in New York gehandelte Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI-Öl), mit einer Laufzeit bis Juni, geht es um 25 Prozent auf 15,45 Dollar nach oben.
Die Ölpreise waren in den letzten Tagen extrem schwankungsanfällig. Optimismus schürt aber die Tatsache, dass mehr und mehr Unternehmen in den Vereinigten Staaten ihre Produktion wieder hochfahren. Gleichwohl besteht bei einer schnellen Wiedereröffnung der Wirtschaft das Risiko einer zweiten Infektionswelle, die einen erneuten Lockdown erzwingen könnte.
Am Montag war der WTI-Juni-Future um 25% abgestürzt. Der Preisdruck resultierte aus der Sorge vor bald übervollen Öllagern. Zwar haben die weltgrößten Förderstaaten rekordhohe Produktionskürzungen beschlossen. Diese bleiben jedoch hinter dem durch Covid-19 ausgelösten Nachfrageeinbruch zurück. Die Corona-Pandemie verringerte die Ölnachfrage um gut 20 bis 30 Millionen Barrel pro Tag, während sich die Förderkürzungen auf lediglich 10 Millionen Barrel pro Tag belaufen.
Die US-Wirtschaft schrumpfte derweil zu Beginn des Jahres um 4,8%. Wegen des seit Mitte März geltenden Lockdowns haben die meisten Geschäfte in den USA geschlossen. Das belastete die Konsumfreude der Amerikaner. Sollte sich das Tempo der konjunkturellen Kontraktion in diesem Tempo fortsetzen, droht den Vereinigten Staaten der größte Wachstumseinbruch seit der Großen Rezession.
Doch die Märkte konzentrierten sich am Mittwoch vielmehr auf die Ankündigung von Gilead (NASDAQ:GILD) und den möglichen Fortschritten bei dem antiviralen Medikament Remedesivir. Das US-Biotech-Unternehmen sagte, dass eine Phase-1-Studie des Wirkstoffs bei Coronavirus-Patienten, denen das Medikament frühzeitig verabreicht wurde, eine Verbesserung der Symptome gezeigt habe. Die Wirkung auf diejenigen, denen das Medikament zu einem späteren Zeitpunkt verabreicht wurde, sei jedoch nicht so positiv, teilte Gilead mit.
Der Gesundheitsberater des Weißen Hauses, Anthony Fauci, lobte jedoch die Fortschritte bei dem Gilead-Wirkstoff Remedesivir. Es seien "recht ermutigende Nachrichten", und er sprach von "einer deutlich positiven Wirkung bei verkürzter Genesungszeit".
"Der Schwerpunkt wird sich jetzt schnell auf das zweite Quartal verlagern, und trotz des wieder aufkeimenden Optimismus könnte die Wirtschaft noch immer zwischen 30-40% schrumpfen", sagte Ed Moya, Analyst der in New York ansässigen Online-Handelsplattform OANDA.
"Es muss einfach zu viel richtig laufen, damit sich die US-Wirtschaft rasch erholt, und vieles davon wird von der Verfügbarkeit schneller und weit verbreiteter Tests, der Zulassung von Behandlungen und der Fähigkeit der Arzneimittelhersteller, die Produktion im In- und Ausland zu steigern, abhängen", fügte Moya hinzu. "Der Optimismus scheint gerechtfertigt, aber wohl eher im dritten Quartal", fügte Moya hinzu.
Die US-Rohöllagerbestände stiegen in der vergangenen Woche um 9 Millionen Barrel, teilte die EIA mit. Analysten hatten mit einem Aufbau der Lagerbestände in Höhe von 10,6 Millionen Barrel gerechnet, nach 15 Millionen in der Woche zuvor.
Die Benzinvorräte sanken überraschend um 3,7 Millionen Barrel (erwartet 2,5 Millionen Barrel). In der Vorwoche waren sie noch um 1,0 Millionen Barrel gestiegen.

