Die türkische Lira steht den vierten Tag in Folge unter Druck. Mit 5,9221 erreichte sie zum US-Dollar den tiefsten Stand seit Mitte Oktober.
Grund für die jüngste Abwertung war die Drohung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan von Anfang der Woche gegen die USA. Die Türkei könnte die Luftwaffenbasis in İncirlik bei Adana, die US-Atomsprengköpfe beherbergt, als Reaktion auf die Androhung von US-Sanktionen schließen, warnte er.
"Wenn es nötig ist, dass wir einen solchen Schritt machen, haben wir natürlich die Autorität.... Wir werden Incirlik bei Bedarf schließen", sagte Erdogan am Sonntag.
Ein weiterer Grund für die aktuelle Lira-Schwäche sei die jüngste Zinssenkung der türkischen Zentralbank, wie Claudio Kummerfeld von finanzmarktwelt schreibt. Sie setzte den wichtigen Leitzins am letzten Donnerstag um 2 Prozentpunkte tiefer auf 12 Prozent. "Zunächst reagierte die türkische Lira darauf nicht negativ, aber diese Zinssenkung wirkt nach als schwächender Faktor für die türkische Währung", erklärte er.
Gleichzeitig fordert Erdogan weitere Zinssenkungen. Er will den Zinssatz zurück in den einstelligen Bereich bringen, so dass weitere Lockerungen auf der Agenda stehen könnten. Allerdings erwarten die Experten von Capital Economics einen deutlicheren Einbruch der türkischen Lira in Kombination mit steigenden Inflationsraten. "In der zweiten Jahreshälfte könnten somit sogar wieder Zinserhöhungen anstehen", so der Emerging Markets Chefökonom William Jackson.
Charttechnisch würden die Zeichen der Zeit wieder auf Lira-Abwertung wechseln, wenn das Devisenpaar den Schlüsselwiderstand bei 5,9383 aus dem Markt überspringt. Das nächste relevante Kursziel auf der Oberseite könnte dann bei 6,10 liegen. Unter 5,76 würde sich das Chartbild indes wieder eintrüben.

