StockBeat: Delivery Hero hebt ab, aber wie viel Superheld steckt wirklich in der Aktie?

StockBeat: Delivery Hero hebt ab, aber wie viel Superheld steckt wirklich in der Aktie?

Jul 03, 2020

von Geoffrey Smith 

- Was wären Filme wie Avenger und X-Men ohne einen Superhelden? Sie sind die Kirsche auf dem Sahnehäubchen und machen solche Filme erst perfekt. Häufig beginnt der Ärger jedoch damit, dass man sie an den falschen Orten sucht.

Nur wenige Märkte auf der Welt brauchen einen Superhelden mehr als Deutschland, gerade jetzt, nach dem spektakulären Untergang des Bezahldienstleisters Wirecard (DE:WDIG), dem es gelang, eine ganze Reihe von Investoren und strategischen Partnern - ganz zu schweigen von seinem Wirtschaftsprüfer und seiner Regulierungsbehörde - zu täuschen, dass es ein seriöses Unternehmen war, das auf einer technologischen Innovationswelle in eine glorreiche Zukunft reitet.

Niemand behauptet, dass der Essenslieferant Delivery Hero (DE:DHER) ein Betrüger ist, aber angesichts der Tatsache, dass die Aktie am Freitag aufgrund vorläufiger Eckdaten für das zweite Quartal um weitere 5,1% auf ein neues Allzeithoch gestiegen ist, ist die Frage durchaus berechtigt, ob sie nicht auch übermäßig von dem Bedürfnis der Investoren nach einem Superhelden profitiert. 

Die Aktie ist seit Jahresbeginn um 45% gestiegen und liegt um über 60% über ihren Tiefstständen vom März. Die Performance der letzten drei Monate ist vor allem auf die Überzeugung zurückzuführen, dass sie zur Kategorie der "Stay-at-home"-Aktien gehört, bei denen sich der Wachstumspfad dank der Covid-19-Pandemie dauerhaft zum Vorteil verändert hat.

Die Zahlen vom Freitag unterstreichen diese Zuversicht. In den drei Monaten bis Juni stiegen die Bestellzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 94%, und gegen Ende des Quartals gewann das Wachstum anscheinend zunehmend an Schwung: Die Junizahlen lagen 104% über dem Vorjahreswert.  Das Gross Merchandising Volume, abgekürzt GMV, stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 64%.

Sowohl der Umsatz- als auch das GMV-Wachstum beschleunigten sich im Vergleich zum ersten Quartal um 58% bzw. 92%.

Alles schön und gut. Aber wie sieht es mit den Profiten aus? Delivery Hero hat in den beiden letzten Jahren Geld verloren, und seine EBITDA-Marge hat sich von -14,6% im Jahr 2018 auf -29,5% im letzten Jahr verschlechtert (für dieses Jahr wird etwas zwischen -14% und -18% vorhergesagt). In der Region Naher Osten und Nordafrika, der einzigen Region, in der das Unternehmen tatsächlich Geld verdient, sanken die Bestellzahlen im Quartal (aufgrund vorübergehender Lieferbeschränkungen). Die größten Zuwächse verzeichnete Delivery Hero in den Märkten, in denen es bei jeder Lieferung am meisten Geld verliert: in Amerika und Asien.

Es gab kein Wort darüber, ob der Anstieg des Geschäftsvolumens zu einer Verbesserung der Margen geführt hat, was etwas seltsam ist, wenn man bedenkt, dass ein Unternehmen, das wiederholt Verluste macht, in diesem Punkt möglicherweise eine Verbesserung melden möchte. Delivery Hero hat bereits davor gewarnt, dass das EBITDA im MENA-Geschäft um 50 Millionen Euro zurückgehen könnte.

Fairerweise muss man sagen, dass Delivery Hero in vielen Märkten tätig ist - fast alle sind Schwellenländer - und dass es vielleicht zu viel verlangt ist, so kurz nach Quartalsende eine Gewinnprognose abzugeben. Aber das Update enthielt nicht einmal eine Umsatzprognose.

Das Fehlen solcher Informationen - zumindest bis zum 28. Juli, wenn die vollständigen Quartalsergebnisse erwartet werden - erinnert daran, dass der Bereich Essensauslieferung im Allgemeinen erst noch seine Tragfähigkeit als Geschäftsmodell unter Beweis stellen muss. Delivery Hero konnte im Januar über 2,2 Milliarden Euro (2,4 Milliarden Dollar) durch die Ausgabe neuer Aktien und Wandelanleihen einnehmen, so dass es keine unmittelbaren Bedenken hinsichtlich seiner finanziellen Gesundheit gibt.

Dennoch muss Delivery Hero noch beweisen, dass es mehr kann, als nur über einen längeren Zeitraum Geld zu verbrennen.

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