Investing.com - Die Ölpreise zogen am Dienstag um mehr als 1% an, mit dem US-Benchmark West Texas Intermediate zum ersten Mal über der 75 Dollarmarke seit 2014, da Lieferausfälle und ein erwarteter weiterer Rückgang der US-Lagerbestände weiterhin die Produktionssteigerungen der großen Ölexporteure kompensieren.
In New York standen Futures auf Rohöl der Sorte US West Texas Intermediate (WTI) um 15:33 MEZ um 1,12 USD oder etwa 1,5% höher auf 75,06 USD das Fass, nur knapp unter ihrem Tageshoch von 75,14, das ihr höchstes Niveau seit November 2014 gewesen war.
Auch mit den Futures auf Brent ging es nach oben, als der Benchmark für außerhalb der Vereinigten Staaten gehandeltes Öl um 1,04% oder 1,4% auf 78,34 USD anstieg und damit ebenfalls auf einem Niveau liegt, wie es sei dreieinhalb Jahren nicht mehr vorgekommen ist.
Unerwartete Ausfälle von Lieferungen aus Libyen, Venezuela und Angola, zusammen mit einem Produktionsstopp in Kanada, wo eine Vorbehandlungsanlage von Syncrude außer Betrieb ist, besonders auf den Märkten Nordamerikas die Lage anspannen lassen. Hinzu kommen die US-Sanktionen gegen das Opec-Mitglied Iran, was die Händler vermuten lässt, dass die Produktionserhöhung der Opec nicht genügen wird, um die Lücke zu füllen.
Die Opec und ihre Verbündeten, zu denen Russland gehört, haben sich geeinigt, die seit Anfang 2017 bestehenden Beschränkungen der Förderung zu lockern.
Nachdem die Opec im Mai ihre Reduktionsziele mit 152% übererfüllte, haben die großen Ölförderer des Kartells vereinbart, wieder auf 100% zurückzugehen.
Die faktische Führungsnation des Kartells, Saudi-Arabien, sagte am Sonnabend, der Schritt dürfte zu einer nominalen Anhebung der Förderung um rund 1 Mio Fass am Tag führen.
Aber die nationale Ölgesellschaft Libyens hat am Montag höhere Gewalt für ihre Terminals in Zueitina und Hariga erklärt, womit 850.000 Fass am Tag an Lieferungen ausfallen.
Unterdessen wurde die Produktion bei Syncrudes Anlagen im kanadischen Ölsandgebiet von einem Stromausfall im letzten Monat beeinträchtigt, die zum Ausfall von 360.000 Fass Öl am Tag führte. Der Betrieb soll im ganzen Juli darniederliegen, was die US-Öllager leeren wird.
Das American Petroleum Institute wird heute seinen wöchentlichen Report zu den Ölvorräten herausgeben, bevor am Donnerstag das US-Energieinformationsministerium seine amtliche Daten herausgibt. Das ist ein Tag später als üblich wegen des Unabhängigkeitstags am Mittwoch.
Der Konsens unter den Analysten geht von einem Rückgang um 3,267 Mio Fass Rohöl aus, womit diese Woche die vierte in Folge wäre, in der die Lagerbestände geringer geworden sind.
