Von Robert Zach
Die Pläne der US-Regierung zur Wiedereröffnung der US-Wirtschaft sowie vielversprechende Testergebnisse des Gilead-Wirkstoffs Remdesivir im Kampf gegen Covid-19 unterbrechen den Höhenflug des Goldpreises. Man sollte mit Blick auf das angebliche Wundermittel gegen das Coronavirus jedoch nicht zu früh in Euphorie verfallen, warnt ein Analyst.
Der an der COMEX gehandelte Gold-Future zur Juni-Lieferung verliert 23,50 Dollar oder 1,36 Prozent auf 1.708,20 Dollar je Feinunze. Anfang der Woche knallte der Goldpreis mit 1.788,80 Dollar auf den höchsten Stand seit Ende 2012.
Der Spot-Goldpreis verbilligte sich um 1,80 Prozent oder 30,94 Dollar auf 1.686,91 Dollar je Feinunze.
"Die Anleger feiern den Gilead-Wirkstoff (NASDAQ:GILD) zur Behandlung des Coronavirus und zur Beschleunigung der Heilung von Patienten möglicherweise etwas zu früh", sagte Carlo Alberto De Casa, Chefanalyst bei dem Londoner Finanzdienstleister ActivTrades in Anspielung auf die noch nicht abgeschlossene Phase-3-Studie. "Dies könnte dazu führen, dass der Goldanteil im Portfolio reduziert und das Augenmerk wieder etwas mehr in Richtung risikoreichere Anlageklassen gelenkt wird".
Die Aktienmärkte legten am Freitag mit Plänen der US-Regierung zur teilweisen Wiedereröffnung der US-Wirtschaft kräftig zu. Der Dow Jones gewann 1,44 Prozent, der S&P 500 1,50 Prozent und der NASDAQ Composite um 0,31 Prozent. Für den RUSSELL 2000 ging es sogar um 3,06 Prozent nach oben. Die miserablen Konjunkturdaten aus China wurden ausgeblendet.
"Die desaströsen Daten aus China, dem größten Goldkonsumenten auf der ganzen Welt, rücken die Nachfragesorgen mit Blick auf Gold wieder in den Vordergrund", sagte Peter Grant, VP und Marktanalyst bei Zaner Metals LLC, in einer Notiz.
Das Bruttoinlandsprodukt brach im ersten Quartal um 6,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum ein. Es war der erste Rückgang seit dem Start des Quartalsstatistik 1992, wie das Statistikamt in Peking am Freitag mitteilte. Die Einzelhandelsumsätze gingen im März im Jahresvergleich um 15,8 Prozent zurück und die Industrieproduktion fiel im Jahresvergleich um 1,1 Prozent. Erwartet wurden -7,3 Prozent.
Nichtsdestotrotz riet Grant seinen Kunden das Eingehen von Gold-Longpositionen im Juni-Kontrakt an Kursrückschlägen in Richtung 1.701 Dollar.
Barrick Gold (NYSE:GOLD) glaubt derweil, dass man die jährlichen Goldproduktionsziele noch erreichen könne, während andere Goldminenbetreiber ihre Investitionen in Projekte aufgrund des schlechten globalen wirtschaftlichen Umfelds im Zuge der Coronavirus-Pandemie kürzen.
Das Coronavirus, das weltweit mehr als 2 Millionen Menschen infiziert und 143.744 Menschen getötet hat, belastet die Weltwirtschaftsaussichten und sorgte dafür, dass die Zentralbanken auf der ganzen Welt ihre Geldpolitik so stark wie noch nie in der Geschichte lockerten.
"Die Entscheidungsträger wollen den wirtschaftlichen Schaden begrenzen, riskieren aber durch eine schnelle Wiedereröffnung ihrer Volkswirtschaften eine zweite Infektionswelle", so die Analysten von FXTM in einem Reuters-Bericht.
Der Goldpreis profitiert in der Regel von breit angelegten Konjunkturmaßnahmen der Zentralbanken und Regierungen, weil damit der Absicherungsbedarf der Händler gegen Inflation und Währungsabwertungen zunimmt.
Durch tiefere Zinsen gehen zudem die Opportunitätskosten für das Halten von Gold zurück.
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