Spekulationen um einen Zusammenbruch bei Irans Öl-Exporten sowie der Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte durch die Federal Reserve Bank am Mittwoch haben die Ölpreise am Dienstag beflügelt.
Und trotzdem könnte der Ölpreis seine Gewinne vor dem Wochenende wieder abgeben. Ein Grund dafür sind die US-Nachfragesorgen.
Der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,18 Dollar oder 2 Prozent auf 58,05 Dollar je Barrel. Das war der stärkste Preisanstieg seit dem 10. Juli.
Das in London gehandelte Brent legte um 1,01 Dollar oder 1,6 Prozent auf 64,72 Dollar je Barrel zu.
Irans Öl-Exporte sind im Juli auf bis zu 100.000 Barrel pro Tag gesunken. Schuld daran seien die US-Sanktionen sowie die steigenden Spannungen mit den USA und Großbritannien, berichtete Reuters unter Berufung auf Tankerdaten.
Der Rückgang der Exporte des OPEC-Mitglieds könnte die Auswirkungen der Produktionskürzung zur Begrenzung des Angebots an Öl auf dem Weltmarkt zusätzlich verstärken.
Die Erwartung, dass die US-Notenbank ihren Leitzins auf ihrer geldpolitischen Sitzung vom 30. bis 31. Juli um mindestens 25 Basispunkte senken wird, hat auch in diesem Monat zu einer Umschichtung von Aktien zu Rohstoffen geführt und damit die Ölpreise gestützt.
Das Federal Open Market Commitee (FOMC) wird wahrscheinlich am Mittwoch zum ersten Mal seit der Finanzkrise die Leitzinsen senken. Für viele Marktteilnehmer ist eine Zinssenkung um 25 Basispunkte so gut wie sicher.
Zwar steuern die Ölpreise auf den zweiten Verlustmonat in den letzten drei Monaten zu, aber die Aussicht auf niedrigere Zinsen hat sowohl WTI als auch Brent im Juli wieder auf die Sprünge geholfen.
"Eine Fed-Zinssenkung wird anderen Zentralbanken erheblichen Spielraum für Zinssenkungen bieten, und es ist der Gedanke an diese abgestimmte geldpolitische Strategie, die die Grundlage für die Ölpreise bildet", sagte Stephen Innes, Managing Partner bei Vanguard Markets.
Die Bank of Japan und die Europäische Zentralbank haben in der vergangenen Woche keine weiteren Impulse gesetzt, aber beide haben die Tür für weitere Maßnahmen offen gelassen.
"Darüber hinaus dürften die Märkte in Erwartung einer signifikanten geldpolitischen Reaktion der (People's Bank of China) positioniert sein, die weiteren Treibstoff für die Risikomärkten liefern sollte", sagte Innes.
"Auch die Wiederaufnahme der Handelsgespräche (zwischen den USA und China) wird positiv bewertet, und während die Märkte in der Hoffnung auf das Beste bleiben, sich aber auf das Schlimmste vorbereiten, wird eine Einigung über praktisch alles als positives Zeichen angesehen", sagte er.
US-Finanzminister Steven Mnuchin und der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sind in Shanghai zu Gesprächen mit ihren chinesischen Kollegen.
Die Erwartungen an einen größeren Durchbruch bei den Gesprächen zwischen den USA und China bleiben jedoch gering. Und Tweets von Trump am Dienstag lassen vermuten, dass ein Abkommen weiter entfernt sein kann, als es in den letzten Monaten geschienen hatte, schrieb die Washington Post.
Und trotz der rundum positiven Stimmung bleibt das nagende Gefühl, dass alles, was Öl gewinnt, noch vor Ende der Woche schrumpfen könnte, da die Nachfragesorgen weiterhin bestehen.
Die Iran-Krise selbst war ein zweischneidiges Schwert für den Markt. Während der sanktionsbedingte Einbruch der Rohölexporte Teherans die Ölpreise angekurbelt hat, hat der Schritt des Iran Anfang der Woche zu herzlichen Atomgesprächen mit Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Russland und China die Preise belastet.
Wenn sich die geopolitischen Spannungen weiter verringern oder wenn es Teheran gelingt, ein neues Atomabkommen mit der Trump-Administration zu erreichen, um so eine Aufhebung der US-Sanktion herbeizuführen, gibt es Spekulationen, dass bis zu 2 Millionen Barrel pro Tag zusätzliches Rohöl auf den Markt kommen könnten, wodurch die OPEC-Förderkürzungen negiert und das derzeitige Überangebot erhöht werden würde.
Abgesehen von geopolitischen Überlegungen wird sich das Augenmerk später auf die wöchentlichen Daten des American Petroleum Institute (API) über die US-Rohöllagerbestände richten, bevor morgen die offiziellen Zahlen durch die US-Energiebehörde EIA vorgelegt werden.
Am Markt wird mit einem weiteren Rückgang der US-Ölreserven in Höhe von 1,82 Millionen Barrel gerechnet. Letzte Wochen waren sie um knapp 11 Millionen Barrel gesunken.

