Die Ölpreise sanken am Donnerstag um 3 Prozent. Von Sorgen über Versorgungsengpässe ist plötzlich nicht mehr die Rede am Markt, nachdem die US-Energiebehörde am Mittwoch einen überraschend starken Anstieg der Rohöllagerbestände gemeldet hatte.
An den Terminmärkten gaben die Kontrakte auf den Ölpreis trotz geopolitischer Spannungen nach. Hauptverantwortlich für den jüngsten Ölpreisanstieg war die Energiekrise in Venezuela und die Sanktionen der USA gegen Öl-Importe aus dem Iran.
"Es scheint so, als wäre die größte Bedrohung für Venezuelas verbleibende Ölproduktion Venezuela selbst und nicht die Sanktionen der USA. Elektrizitätsausfälle und ein Mangel an Lösungsmitteln sind weiterhin die Hauptgründe für das Sinken von Produktions- und Exportmenge", schreibt Ellen R. Wald in einem Marktkommentar.
Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) gab um 0,15 Prozent auf 61,72 Dollar je Barrel nach und ist damit auf dem Weg zum tiefsten Schlusskurs seit Anfang April. Gestern war der Ölpreis WTI zeitweise auf 60,95 Dollar je Barrel abgestürzt.
Die Nordseesorte Brent fiel zuletzt um 0,48 Prozent auf 70,42 Dollar je Barrel.
"Der Bereich von 62 Dollar ist ein wichtiges Preisniveau. Wenn der Ölpreis darunter rutscht, könnte er ziemlich schnell auf 58 Dollar fallen", sagte John Kilduff, Managing Partner des Hedgefonds Again Capital, in einem Interview mit CNBC.
Der Preisrückgang nahm an Fahrt auf, nachdem die US-Energiebehörde am Mittwoch mitteilte, dass die wöchentlichen US-Rohöllagerbestände um 9,9 Millionen Barrel zugenommen hätten. Gleichzeitig stieg die US-Produktion auf ein neues Rekordhoch von 12,3 Millionen Barrel pro Tag.
Insbesondere die US-Ölförderung spielt bei der zukünftigen Preisentwicklung von US-Öl eine gewichtige Rolle, sagt Ellen R. Wald. "Das Angebot aus den USA könnte dazu beitragen, die iranischen Exporte an leichtem Rohöl zu ersetzen". Schließlich habe die Produktion in den letzten Monaten "immer neue Rekordmarken geknackt und es ist nicht abzusehen, wie weit sie noch steigen wird". Das könnte den Deckel für die Ölpreise darstellen, so Wald weiter.
Und Tamar Essner, Leiter Energie und Versorgung bei Nasdaq Corporate Solutions, sagte auf CNBC, dass "der Markt nun etwas zurückschreckt, da wir vielleicht eine Wiederholung des letzten Jahres sehen könnten, wo es all diese bullischen Faktoren auf der Angebotsseite weltweit gab, aber US-Schieferöl als großer Gigant im Hintergrund die Preisrallye abrupt beendet hatte".
Für Preisbewegung am Ölmarkt könnten heute die US-Arbeitsmarktdaten als auch die Zahl der aktiven Ölbohrungen durch den US-Dienstleister Baker Hughes sorgen.

