Von Peter Nurse
Die Ölpreise sind am Mittwoch kräftig gestiegen. Berichte, wonach man ein Heilmittel gegen den Coronavirus aus China gefunden habe sowie Spekulationen auf eine Förderkürzung der OPEC beflügelten das schwarze Gold.
Der Preis für die US-Ölsorte WTI stieg um 2,8% auf 50,98 Dollar pro Barrel, während die Nordseesorte Brent um 2,9% auf 55,54 Dollar pro Barrel zulegte. Gestern war US-Rohöl zum ersten mal seit über einem Jahr unter die Marke von 50 Dollar gefallen.
Am Mittwoch gab es Berichte, dass eine chinesische Universität ein Medikament zur Behandlung von Menschen mit dem neuen Coronavirus gefunden hat. Im Vereinigten Königreich sagten Forscher, sie hätten einen "bedeutenden Durchbruch" bei der Suche nach einem Impfstoff erzielt. Beide Medikamente wurden aber anscheinend noch nicht getestet.
Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat derweil die Medienberichte über ein Heilmittel zurückgewiesen. "Es gibt keine, bekannte wirksame Therapie gegen das Virus", sagte Sprecher Tarik Jasarevic am Mittwoch.
Eine technische Expertengruppe der Organisation Erdöl exportierender Länder und ihrer Verbündeten besprechen indes am Hauptsitz des Kartells in Wien weiterhin die Auswirkungen der Krankheit auf die Ölnachfrage. Die Meinung dieser Experten könnte dazu beitragen, ob die Opec noch in diesem Monat ein Ministertreffen einberuft, welches bisher für März geplant ist.
Saudi-Arabien drängt nach Auffassung einiger OPEC+-Vertreter auf eine zusätzliche Förderkürzung von mindestens 500.000 Barrel pro Tag. Russland soll einen solchen Schritt noch ablehnen.
Selbst wenn diese Kürzungen vereinbart werden, ist die Auswirkung, die sie auf die Ölpreise haben könnten, umstritten.
BP (LON:{BP) gab am Dienstag an, dass das Coronavirus die Nachfrage im Laufe des Jahres um bis zu 500.000 Barrel pro Tag senken könnte, während die OPEC nach eigener Analyse einen kleineren Rückgang von etwa 400.000 Barrel pro Tag für etwa sechs Monate erwartet.
"Wenn wir davon ausgehen, dass die OPEC-Zahlen korrekt sind, und dann die Förderverluste, die wir derzeit aus Libyen sehen berücksichtigen, dürfte eine zusätzliche Förderkürzung um 500.000 Barrel pro Tag fast ausreichen, um den Markt über das erste Quartal hinweg auszugleichen", so die Analysten von ING in einer Mitteilung.
An anderer Stelle hat das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie seine Schätzungen für die weltweite Nachfrage im ersten Quartal um 900.000 Barrel pro Tag auf 98,8 Millionen b/d gesenkt. Ann-Louise Hittle, Vizepräsidentin von Macro Oils, bemerkte, dass der geschätzte Rückgang der chinesischen Nachfrage - um 200.000 b/d auf 13 Millionen b/d - der erste Rückgang der jährlichen chinesischen Nachfrage seit 2009 sei.
Um 16:30 Uhr werden die offiziellen Zahlen der US-Regierung zu den US-Rohöllagerbeständen veröffentlicht. Erwartet wird ein Zuwachs von 2,8 Millionen. Das Ergebnis des American Petroleum Institutes zeigte am Dienstag einen Anstieg der US-Lagerbestände um etwa 4,2 Millionen Barrel.

