Ölpreis startet mit Verlusten - Sorge vor Produktionsanstieg bremst

Ölpreis startet mit Verlusten - Sorge vor Produktionsanstieg bremst

Jan 02, 2020

Der Ölpreis startete mit negativen Vorzeichen in das neue Jahr. Ölmarktbeobachter befürchten, dass die Produktion wieder stark ansteigen könnte.

Die US-Ölsorte West Texas Intermediate verbilligte sich um 15 US-Cents oder 0,3% auf 60,91 Dollar pro Barrel. US-Öl war bereits am Dienstag um 1% gefallen.

Für ein Fass der Nordseesorte Brent ging es um 3 US-Cents oder 0,1% nach unten auf 65,97 Dollar. An Silvester verlor die Benchmark für Rohöl außerhalb den USA um 1%.

Die Preisabschläge vom Dienstag haben die Zugewinne aus dem letzten Jahr kaum beeinträchtigt. WTI kletterte im Dezember um 11% und verzeichnete damit den größten Monatszuwachs seit Januar. Brent legte mit 7% so stark zu wie zuletzt im April 2019. US-Rohöl kam 2019 auf eine Performance von 34%, während sich Brent um 24% verteuerte. Das war für beide Ölsorten der größte Jahreszuwachs seit 2016.

Auslöser für die Preisabschläge am Donnerstag war die Sorge, wonach die US-Ölproduzenten ihre Produktion in diesem Jahr wieder hochfahren könnten.

Die Produktion erreichte im Jahr 2019 mit 12,9 Millionen Barrel pro Tag ein Rekordniveau. Dennoch haben die US-Bohrfirmen die Zahl der aktiven Bohrinseln von 885 Ende 2018 auf 677 in diesem Jahr reduziert. Das entspricht einem Rückgang von 24%.

Die Ölpreis-Rallye im Jahr 2019 wurde vor allem durch die Produktionskürzungen der OPEC angetrieben. Bereits im Januar versuchte das Ölkartell, das sich mit Russland im Rahmen der OPEC+-Allianz zusammengeschlossen hat, eine tägliche Förderkürzung von 1,2 Millionen Barrel durchzusetzen. Da diese Vereinbarung im Dezember auslief, sagte die OPEC+, dass sie die Drosselung ab Anfang 2020 auf 2,1 Millionen Barrel pro Tag vertiefen werde.

Trotz ihres Plans für stärkere Produktionseinschnitte in diesem Jahr könnte es für die OPEC+ schwieriger werden, die Ölpreise hoch zu halten, da die Ölproduktion aus US-Schiefer wieder ansteigen könnte, so die Befürchtungen der Händler.

"Der Hauptgrund für den 24%igen Rückgang der aktiven US-Ölbohrungen im letzten Jahr war die Preisunsicherheit, die bis zur Jahresmitte anhielt", sagte John Kilduff, Gründungspartner des New Yorker Energie-Hedgefonds Again Capital. WTI bewegte sich während der Sommermonate zwischen 50 und 55 Dollar.

Laut Kilduff wird es angesichts der erst Anfang Dezember in Kraft tretenden OPEC-Entscheidung, die Förderkürzungen zu verdoppeln, einige Zeit dauern, bis die US-Bohrunternehmen wieder in die Gänge kommen.

"Bei den derzeitigen Ölpreisen kann man auf weitere Probleme mit Blick auf die Produktion wetten", fügte Kilduff hinzu. "Ein Fass WTI von mehr als 60 Dollar ist sehr, sehr lohnend für US-Schieferförderer."

Das Angebot an Öl außerhalb der OPEC, vor allem aus US-Schiefer, wird laut der Internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris im Jahr 2020 voraussichtlich um 2,1 Millionen Barrel pro Tag zunehmen.

Die weltweite Nachfrage nach Öl werde im nächsten Jahr um 1,2 Millionen Barrel pro Tag steigen, so die IEA.

Das heißt, die Welt wird täglich 900.000 Barrel weniger Öl sowohl von OPEC- als auch von Nicht-OPEC-Produzenten benötigen, wodurch die Förderkürzungen der OPEC+ deutlich ausgeglichen werden könnten.

Auch Rohöl aus Russland und die Kondensatproduktion erreichten im vergangenen Jahr ein postsowjetisches Hoch, obwohl sie die Produktion im Rahmen eines Abkommens mit der OPEC drosselten, berichtete Bloomberg.

"Der Ölmarkt sieht weiterhin eine robuste Rohölproduktion aus den USA, Kanada und Brasilien, was zu einer Angebotsschwemme im Jahr 2020 führen könnte", so ein aktueller Bericht des Washingtoner Think Tanks Institute of International Finance.

Der Bericht, der von einem Team unter der Leitung von Garbis Iradian, dem Chefökonom des IIF für den Nahen Osten und Nordafrika, verfasst wurde, prognostiziert eine Steigerung der weltweiten Ölproduktion um 1,9 Millionen Barrel Öl pro Tag im Jahr 2020 gegenüber 2019. Mehr als die Hälfte davon wird aus den Vereinigten Staaten kommen.

Während dieser Anstieg des Angebots etwas weniger als 2% des Gesamtvolumens ausmacht, ist der Ölmarkt immer fein ausbalanciert, so dass sich scheinbar kleine Änderungen von Angebot oder Nachfrage erheblich auf die Preise auswirken können.

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