Von Geoffrey Smith
Die Ölpreise erholten sich am Freitag im New Yorker Handel, nachdem sie zuvor als Reaktion auf eine Warnung gefallen waren, dass die Ausbreitung des Coronavirus in den USA und vielen Schwellenländern "einen Schatten" auf die globale Konjunkturerholung werfe.
Das an der ICE gehandelte Barrel der Sorte Brent Öl zur September-Lieferung (CBU20) stieg um 0,31 Prozent auf 42,48 Dollar. Für das an der Warenterminbörse NYMEX in New York gehandelte Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI-Öl) mit einer Laufzeit bis August (CLQ20) ging es um 0,45 Prozent nach oben auf 39,83 Dollar.
Die RBOB-Benzin-Futures, die über Nacht ebenfalls gefallen waren, erholten sich und stiegen um 2,0% auf 1,2645 Dollar pro Gallone.
In ihrem Bericht hatte die IEA davor gewarnt, dass "die starke Zunahme neuer Covid-19-Fälle, die in einigen Regionen, darunter Nord- und Lateinamerika, die Wiedereinführung von Lockdowns zur Folge hatte, einen Schatten auf die Prognosen wirft".
"Während der Ölmarkt seit dem "Schwarzen April" zweifellos Fortschritte gemacht hat, ist die große und in einigen Ländern beschleunigte Zunahme der Covid-19-Fälle eine besorgniserregende Warnung, dass die Pandemie nicht unter Kontrolle ist und die Gefahr für unsere Marktprognosen nach unten gerichtet ist", sagte die Agentur.
Dennoch korrigierte sie ihre Prognose für die durchschnittliche Nachfrage in diesem Jahr um etwa 400.000 Barrel pro Tag auf 92,1 Mio. b/d nach oben. Der Nachfragerückgang im zweiten Quartal war demnach nicht so ausgeprägt, wie die IEA zunächst angenommen hatte.
Die IEA erwartet nun einen Rückgang der Nachfrage um 7,9 Millionen b/d im Jahr 2020 und eine Erholung um 5,3 Millionen b/d im Jahr 2021.
Der Grund für den Turnaround am Freitagnachmittag war vor allem auf erfreuliche Meldungen in Sachen Entwicklung eines Corona-Impfstoffs zurückzuführen.
Unterstützt wurde der Ölpreis jedoch am Rande auch durch anhaltende Preissteigerungen bei anderen Industrierohstoffen in dieser Woche, die durch die Aufstockung der Lagerbestände in China bedingt waren. Chinesische Nachrichtenagenturen berichten, dass staatliche chinesische Raffinerien beabsichtigten, ihre Brennstoffpreise am Wochenende zu erhöhen.
Gleichwohl gibt es Anzeichen für ein höheres Angebot. Laut Nachrichtenberichten hob Libyen am Freitag den Zustand der höheren Gewalt auf. Es ist jedoch immer noch unklar, wie viel Öl das Land angesichts des anhaltenden Bürgerkriegs fördern kann. Die IEA erklärte, dass die libyschen Öllieferungen bis Ende des Jahres um bis zu 900.000 b/d steigen könnten, wenn die Lage sich entspannt.
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