Der Wirtschaftskalender - Die Top 5 Themen in dieser Woche

Der Wirtschaftskalender - Die Top 5 Themen in dieser Woche

Mär 09, 2020

von Noreen Burke

Diese Woche werden alle Augen auf die Europäische Zentralbank gerichtet sein, als Zentralbanker in aller Welt versuchen, das wirtschaftliche Risiko durch das Coronavirus in Schach zu halten. Die EZB, die am Donnerstag tagt, hat weniger Handlungsspielraum als die Federal Reserve, aber Marktbeobachter sehen immer noch gute Chancen auf eine Zinssenkung. Die britische Regierung wird am Mittwoch ihren neuen Haushalt vorlegen, der voraussichtlich ein Maßnahmenpaket gegen die Krise enthalten wird. Konjunkturdaten aus China, den USA, Japan und der Eurozone geben Anlegern die Möglichkeit, die Auswirkungen der Viruskrise auf die Weltwirtschaft abzuschätzen. Öl wird ebenfalls im Fokus stehen, nachdem ein Pakt zwischen der OPEC und Russland zur Eindämmung der Produktion am Freitag gescheitert ist und die Preise in den freien Fall eingetreten sind. Folgendes sollten Sie wissen, um gut in die neue Handelswoche zu starten.

1. EZB-Sitzung

Die EZB-Sitzung am Donnerstag wird der Testfall für Christine Lagarde sein. Die EZB muss ein Gleichgewicht zwischen dem Nachweis ihrer Handlungsfähigkeit und dem Bewusstsein finden, dass eine Konjunkturerholung womöglich eher höhere Staatsausgaben statt weiterer geldpolitischer Anreize erfordern könnte.

Einige Notenbanker der EZB haben vor einem schnellen Schritt gewarnt. Da die Zinsen bereits stark negativ sind, können weitere Kürzungen nur begrenzte Auswirkungen haben.

„Wir könnten eine Mischung aus mehreren kleineren Maßnahmen wie einer Zinssenkung um 10 Basispunkte, Optimierungen bei Sicherheitsleistungen, gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTRO) und einer Erhöhung der Käufe von Unternehmensanleihen (Corporate Sector Purchase Program, CSPP) bekommen“, schrieben Analysten von ING in einer Notiz.

2. Britischer Staatshaushalt

Der neue britische Schatzkanzler Rishi Sunak wird am Mittwoch sein erstes Budget vorlegen. Es wurde bereits erwartet, dass er ein Konjunkturpaket für ärmere Regionen ankündigt, aber die Verbreitung des Coronavirus bedeutet, dass er möglicherweise keine andere Wahl hat, als die öffentlichen Ausgaben weiter hochzuschrauben.

Diese Erwartungen bekamen neue Nahrung, als der neue Gouverneur der Bank of England Andrew Bailey eine koordinierte Reaktion zwischen der Regierung und der Zentralbank vorschlug, um kleinen Unternehmen zu helfen, die von den Folgen des Coronavirus betroffen sind.

Bailey sagte auch, dass er mehr Belege für die Auswirkungen des Virus sehen möchte, bevor er eine Zinssenkung bei der nächsten geplanten Sitzung der BoE am 26. März in Betracht zieht.

3. Blackout Period der Fed und US-Konjunkturdaten

Die Fed befindet sich vor ihrer bevorstehenden Sitzung in ihrer traditionellen „Blackout“-Phase, in der es die Notenbanker vermeiden, Erklärungen jeglicher Art abzugeben, gerade als die Weltmärkte jegliche Vorzeichen auf die bevorstehende Entscheidung in aller Breite analysieren. Die Befürchtungen über die Ausbreitung des Coronavirus haben Erwartungen geweckt, dass die Zentralbank nach der Eilsenkung der Zinsen in der vergangenen Woche diese erneut reduzieren wird. Investoren versuchen zu beurteilen, ob die geldpolitischen Entscheider ernsthaft über einen starken wirtschaftlichen Abschwung besorgt sind oder sich einfach gegen diese Möglichkeit absichern wollen.

Bei den Konjunkturdaten konzentrieren sich die Anleger auf den vorläufigen März-Index der Universität von Michigan zur US-Verbraucherstimmung, der am Freitag hereinkommen wird. Im Durchschnitt gehen die Prognosen angesichts des Einbruchs an den Aktienmärkten und der negativen Schlagzeilen über Coronaviren von einer erheblichen Verschlechterung aus und dies könnte die Sorgen über die Aussichten auf eine schwächere Konjunktur in den kommenden Monaten verstärken.

Der US-Wirtschaftskalender dieser Woche enthält auch Daten zu den Anträgen auf Arbeitslosengeld, der Inflation und dem Außenhandel. Die Berichte decken jedoch hauptsächlich einen Zeitraum ab, bevor die Virenangst in den USA wirklich Einzug gehalten hat und werden daher wahrscheinlich eher unbeachtet bleiben.

4. Daten aus China

Die am Samstag veröffentlichten chinesischen Daten zeigten, dass die Exporte in den ersten beiden Monaten des Jahres stark geschrumpft und Importe gefallen sind, vor dem Hintergrund einer Krise, die durch den Ausbruch des Coronavirus ausgelöst wurde.

Die am Dienstag erscheinenden chinesischen Inflationszahlen dürften zeigen, dass es Versorgungsstörungen die Erzeugerpreise im letzten Monat sinken ließ.

Mit Blick auf die Zukunft werden die Behörden die Wachstumsrisiken angehen wollen. Erwarten Sie daher weitere Senkungen der Mindestreserveanforderungen für Banken, der Geldmarktrenditen und der Leitzinsen. Peking wird wahrscheinlich auch Infrastrukturprojekte beschleunigen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Währenddessen stürzen sich ausländische Investoren auf chinesische Aktien und Yuan-Anleihen mit hohen Renditen, während andere Märkte einbrechen. Sie stellen aber auch die Form der Erholung Chinas in Frage und ob diese durch die weltweite Verbreitung des Virus untergraben werden könnte.

5. Ölpreiskrieg

Der drei Jahre währende Flirt zwischen der OPEC und Russland fand am Freitag ein plötzliches Ende, nachdem Moskau sich geweigert hatte, tiefere Einschnitte bei seiner Ölproduktion zur Bewältigung des Ausbruchs des Coronavirus zu unterstützen und die OPEC reagierte darauf mit der Aufhebung aller Beschränkungen für die eigene Produktion.

Die Ölpreise stürzten am Montag um bis zu 25% ab, als die Entwicklung die Befürchtungen eines Preisverfalls wie in 2014 wiederbelebte, als Saudi-Arabien und Russland mit US-Schieferölproduzenten um Marktanteile kämpften, die nie an Produktionsbeschränkungen teilgenommen haben.

Alle Limits laufen Ende des Monats aus, was bedeutet, dass OPEC-Mitglieder und Nicht-OPEC-Hersteller theoretisch soviel Öl wie sie wollen in einem ohnehin schon überversorgten Markt verkaufen können.

"Dies ist eine unerwartete Entwicklung, die weit schlimmer als unser Worst-Case-Szenario ist und zu einer der schwersten Ölpreiskrisen in der Geschichte führen wird", sagte Bjoernar Tonhaugen von Rystad Energy.

-- Dieser Report entstand unter Mitwirkung von Reuters.

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