DAX-Futures: Fed geht 'All-In', aber Verluste werden ausgeweitet

DAX-Futures: Fed geht 'All-In', aber Verluste werden ausgeweitet

Mär 16, 2020

von Robert Zach

Nach dem historischen Wochenminus bleibt der Abwärtsdruck auf den DAX intakt. Die DAX-Futures verlieren im vorbörslichen Handel mehr als 3,5 Prozent oder 329 Zähler auf 8.846 Punkte. Am Freitag schloss das deutsche Aktienbarometer mit 9.232 Punkten 0,77 Prozent im Plus. Auf wöchentlicher Sicht verlor der Leitindex gut 20 Prozent - es war der zweitgrößte Wochenverlust in der Geschichte des DAX und das, obwohl die deutsche Regierung umfassende Staatshilfen in Aussicht gestellt hat, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus zu begrenzen.

"Der DAX 30 befindet sich weiter im Crash-Modus", stellte Donner & Reuschel-Analyst Martin Utschneider in einer Notiz fest. "Ernüchternd gilt es trotzdem festzustellen, dass eine Erholung bestenfalls in einem 'flachen V' stattfinden wird. Es wird keinen schnellen Rebound geben", glaubt er.

Hoffnung auf eine moderate Erholung der Aktienmärkte macht indes die zweite Not-Zinssenkung der Federal Reserve in den letzten zwei Wochen. Sie senkte am Sonntag den Leitzins außerplanmäßig so stark wie noch nie um 100 Basispunkte auf eine Spanne von 0,00 bis 0,25 Prozent, um die Folgen der Virus-Krise auf die Wirtschaft zu dämpfen. Allerdings war der Schritt bereits vollständig in die Märkte eingepreist, was wahrscheinlich auch der Grund für die enttäuschende Reaktion der Aktienmärkte ist. Die US-Futures auf den Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq wurden alle vom Handel ausgesetzt, da sie zur Eröffnung um -5 Prozent gefallen waren.

"Die US-Notenbank ist im Kampf gegen das Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Märkte All-in gegangen, so dass nur noch wenig Spielraum besteht, um mit Zinssenkungen gegenzusteuern", so die Danske Bank (CSE:DANSKE) in einer Morgennotiz. "Wir halten den Schritt jedoch für sehr positiv, da die Wirtschaftsforschung zeigt, dass eine schnelle und energische Reaktion die Geldpolitik wirkungsvoller macht", erklärten die Analysten.

Die Fed wird in den kommenden Monaten auch 500 Milliarden Dollar an Staatsanleihen und 200 Milliarden Dollar an Agency MBS kaufen. Grund dafür seien Stress und Liquiditätseinbußen auf beiden Märkten und nicht die direkte Absicht, die langfristigen Zinssätze zu senken.

In einer koordinierten Aktion der G6-Zentralbanken wurde außerdem die Versorgung mit günstigen Dollar-Krediten sicherstellt, indem die Kosten für die Dollar-Finanzierung gesenkt und wöchentliche Liquiditätsoperationen mit einer Laufzeit von 84 Tagen angeboten wurden. Die Bank of Canada, die Bank of England, die Bank of Japan, die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve und die Schweizerische Nationalbank wollen damit die Versorgung mit globaler US-Dollar-Liquidität stärken. Der entsprechende Overnight Index Swap-Satz für US-Dollar wurde um 25 Basispunkte gesenkt.

In China wurden wenig überraschend schwache Daten veröffentlicht. Im Zuge des COVID-19-Ausbruchs kollabierte die Industrieproduktion im Februar um 13,5 Prozent und die Einzelhandelsumsätze fielen um 20,5 Prozent.

Konjunkturseitig steht heute der US Empire PMI Manufacturing Index auf der Agenda.

Wichtige Unterstützungen im DAX liegen bei 8.800, 8.700 und bei 8.400. Mit einer Stabilisierung ist wohl erst bei einer Rückeroberung der Marke von 10.300 Punkten zu rechnen.

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