von Peter Nurse
Die europäischen Aktienmärkte drehten am Dienstag ins Minus, als sich immer stärker zeigt, dass das Coronavirus europäische Unternehmen schwer in Mitleidenschaft zieht, was die Meldungen über weitere Geschenke der Zentralbanken und Versprechungen von Maßnahmepaketen der G7 und der Eurogruppe aufwog.
Um 09:35 MEZ stand der britische FTSE Index um 1,4% tiefer, der französische CAC 40 sank um 40 Punkte oder 1,1%, während es mit dem DAX um 1,4% abwärts ging. Der gesamteuropäische EURO STOXX 50 Index fiel um 1,0%.
Die Stimmung verschlechterte sich, als die Aufsichtsbehörden in Frankreich, Spanien und Italien Leerverkaufsverbote für ausgewählte Aktien einführten. Das spanische Verbot gilt für einen Monat, während das französische und das italienische nur für den Tag in Kraft sind. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire sagte, das Verbot seines Landes könne verlängert werden.
Der düstere Nachrichtenfluss aus den europäischen Unternehmen setzte sich am Dienstag fort. Der Autobauer Volkswagen (DE:VOWG) (DE:VOWG_p) wird voraussichtlich am Sonnabend wegen der Coronavirus-Pandemie die Produktion einstellen, teilte der Betriebsrat des Unternehmens am Dienstag mit.
Ähnlich erklärte der französische Autobauer Renault (PA:RENA), er habe den Betrieb in Spanien eingestellt, nachdem dort angesichts der Coronavirus-Krise der Ausnahmezustand ausgerufen worden war.
Airbus (PA:AIR) stellt für die nächsten vier Tage auch die Produktions- und Montageaktivitäten in seinen Werken in Frankreich und Spanien ein, da die Regierungen dort neue Maßnahmen umsetzen, um die Bewegungsfreiheit weiter einzuschränken und den Ausbruch des Coronavirus zu bekämpfen, sagte der Flugzeughersteller Dienstag.
Am Dienstagmorgen hat die Bank of Japan mit einer 84-tägigen Finanzierungsoperation mehr als 30 Milliarden US-Dollar in Märkte gepumpt. Dieser Schritt erfolgte, nachdem die sechs großen Zentralbanken der Welt am Sonntag in einem gemeinsamen Schritt mehr Bargeld zur Verfügung gestellt hatten, da Chaos an den Finanzmärkten in der vergangenen Woche Banken und Unternehmen nach Dollar-Liquidität hungern ließ. Darüber hinaus senkte die US-Notenbank die kurzfristigen Zinssätze auf nahezu Null und stellte gleichzeitig den Kauf von Wertanlagen in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar in Aussicht.
Der Aufschwung am Dienstag folgt auf heftige Verluste in Europa am Montag, während der Dow mit fast 3.000 Punkten den größten Ein-Tages-Einbruch aller Zeiten hinnehmen musste, nachdem Präsident Donald Trump gesagt hatte, dass das schlimmste des Ausbruchs den Sommer über andauern könnte, und dieser derzeit nicht unter Kontrolle sei.
An Konjunkturindikatoren gibt es um 10:30 MEZ die britischen Arbeitslosenzahlen für Januar, aber diese Zahlen sind aufgrund der Ereignisse weitgehend veraltet. Die Veröffentlichung der Konjunkturerwartungen vom deutschen ZEW für März um 11:00 MEZ dürfte jedoch von Interesse sein, um zu sehen, wie die Stimmung unter den Investoren im Land ist, als die Coronavirus-Pandemie sich festsetzt.
Die Ölmärkte sind am Dienstag wieder über das Niveau von 30 USD das Fass gestiegen, was durch die Aussicht unterstützt wird, dass die USA und andere Länder ihre strategischen Lager füllen. Es ist jedoch fraglich, wie lange dies die Preise stützen kann, da die Nachfrage stark beeinträchtigt ist und das Angebot infolge des Zusammenbruchs des OPEC+-Pakts zur Einschränkung der Produktion stark gestiegen ist.
Um 10:15 MEZ wurden US-Rohöl-Futures um 1,7% höher zu 29,50 USD gehandelt, während der internationale Benchmark Brent um 0,3% auf 30,15 USD stieg.
Demgegenüber fielen US-Gold-Futures um 0,2% auf 1.483,70 USD die Feinunze, während der EUR/USD Kurs zu 1,1116 mit einem Tagesverlust von 0,6% gehandelt wurde.

